Telefonseelsorge auf dem Weg in die Zukunft

Vergewisserung und Ausblick

Konsenspapier auf Basis der Leitlinien für den Dienst der TelefonSeelsorge

Einleitung

In der Gründungsphase in den 50er und 60er Jahren initiiert als niedrigschwellige, oft aus dem Engagement von Einzelpersonen erwachsene Einrichtung zur Suizidverhütung, wurde TelefonSeelsorge von den Anrufenden stets als offenes, alle Themen und Fragen des Lebens umfassendes Gesprächsangebot wahrgenommen und genutzt.

  • Nahezu jeder und jede besitzt ein Telefon.

  • Die Anrufe bei der TelefonSeelsorge sind kostenfrei.

  • Die Nutzung der alten und neuen Medien ist tägliche Selbstverständlichkeit.

  • Im Kommunikationsverhalten verändert sich der Umgang mit Intimität und Öffentlichkeit.

Für die TelefonSeelsorge bedeutet dies: Sie trifft als vermeintlich unbegrenztes Angebot für alles und alle auf eine Nachfrage, die von ihr quantitativ und qualitativ als grenzenlos erlebt wird. 

1. Die TelefonSeelsorge geht auf gutem Boden in die Zukunft.

Die TelefonSeelsorge ist und bleibt:

  • ein seelsorgerliches Angebot, um Menschen in Not und Krisen beizustehen

  • ein in ökumenischer Verbundenheit getragener Dienst, gründend auf dem christlichen Menschenbild

  • ein Gesprächs- und Beratungsangebot bei Tag und bei Nacht, verschwiegen, anonym, datengeschützt

  • ein Verbund der vielen örtlichen Stellen, die gemeinsam den Qualitätsbegriff TelefonSeelsorge prägen.

In der TelefonSeelsorge ist und bleibt:

  • das Zusammenwirken von Trägern, Ehrenamtlichen, Leitenden und weiteren Fachkräften maßgeblich für die Stabilität der Institution und damit des Angebots

  • die Realisierung ihres Angebots durch ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennzeichnend

  • die Vielfalt der Lebenskompetenzen der qualifizierten Ehrenamtlichen eine Garantin für die Wirksamkeit des Angebots.

 

2. Die TelefonSeelsorge sieht sich als Angebot für jeden Menschen, aber nicht für jedes Anliegen in jeder Situation.

Die TelefonSeelsorge richtet sich besonders an Menschen in Leid und Krisensituationen sowie an alle, die Seelsorge und Beratung suchen.

TelefonSeelsorge hat den Anspruch, die Anrufenden und sich selbst wertzuschätzen. Voraussetzung für ein Gespräch ist, dass die Anrufenden dieses Angebot annehmen. TelefonSeelsorge beendet das Gespräch, wenn Begegnen, Klären, Halt geben oder Begleiten nicht möglich sind oder wenn Grenzen und Würde der Mitarbeitenden verletzt werden.

3. Die TelefonSeelsorge stellt sich den Entwicklungen in der Telekommunikation.

Die TelefonSeelsorge

  • setzt sich mit Veränderungen der Telekommunikationstechnik kontinuierlich auseinander, um die Standards des TelefonSeelsorgeangebots (Vertraulichkeit, Anonymität, Vermeidung von Datenspuren) zu wahren.

  • beobachtet, dass Menschen ihr Kommunikationsverhalten verändern. Sie überdenkt die Ausgestaltung ihres Angebots im Hinblick auf diese Veränderungen. Unter Wahrung ihres Selbstverständnisses lässt sie sich auf neue Kommunikationsformen ein.

  • entwickelt sich von der telefongebundenen Seelsorge weiter zu einer Seelsorge, die andere Telekommunikationsmedien berücksichtigt. Sie überprüft die jeweiligen Medien, ob sie im Sinne des Angebots und der Standards nutzbar sind. Daher bezieht sie Internet, webbasierte Mails und Chat in ihr Angebot mit ein.

  • beteiligt sich aktiv an der kommunikationsethischen Diskussion in unserer Gesellschaft.

4. Die TelefonSeelsorge geht in die Zukunft mit einem beständigen Blick auf die Sicherung ihrer Qualität.

Dazu gehören:

  • die Verantwortung der Träger für einen klaren Auftrag und für eine gesicherte, personell, sachlich und finanziell angemessene Ausstattung der Stelle.

  • die Verantwortung der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, den Dienst am Telefon zu leisten, qualifiziert und unterstützt durch Ausbildung, Fortbildung und Supervision gemäß den Rahmenrichtlinien. Zur ehrenamtlichen Mitarbeit gehören in verstärktem Maß Bereitschaft und Fähigkeit, sich auf stetigen Wandel der TelefonSeelsorgearbeit und ihrer Erfordernisse einzulassen.

  • die Verantwortung der leitenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Vertretung der Stelle nach innen und außen wahrzunehmen und den 24-Stundendienst zu organisieren. Sie gewährleisten gute fachliche wie menschliche Arbeitsbedingungen. Leitende Mitarbeit erfordert nicht nur die Bereitschaft zu Reflexion und Integration theologischer und humanwissenschaftlicher, sondern auch gesellschaftlicher und telekommunikationstechnischer Entwicklungen.

  • ein kontinuierlicher Kommunikationsprozess aller im System TelefonSeelsorge verantwortlichen Beteiligten auf örtlicher, regionaler und bundesweiter Ebene.

  • die Initiierung von Forschung und die Auswertung relevanter wissenschaftlicher Erkenntnisse sowie deren Nutzung für die TelefonSeelsorge.